Babymassage ist eine wohltuende Methode für Eltern und Kinder, um auf eine intuitive und sensible Weise Körperkontakt zu pflegen. Körperkontakt ist Nahrung für Körper, Geist und Seele – für uns alle als Lebewesen. Er signalisiert dem Baby, dass es willkommen ist auf dieser Welt, und weckt gleichzeitig sein Interesse für das Umfeld.
„Durch die Nähe des Mutterleibs tritt das Kind zum ersten Mal mit der Welt in Berührung und damit in eine neue Erlebnissphäre – das Erlebte des anderen. Dieser physische Kontakt mit einem anderen Lebewesen ist eine wesentliche Quelle des Behagens, der Sicherheit, der Wärme und der Befähigung, sich neue Erfahrungen aufzutun.“
— Ashley Montagu
Schon sehr früh im Leben hat mich dieses Thema tief berührt. Ich bin auf Tahiti aufgewachsen, einer kleinen Insel im Pazifik. Das Inselleben hat mich gelehrt, im Hier und Jetzt zu leben, Fröhlichkeit zu kultivieren und anderen Menschen mit offenem Herzen zu begegnen. Diese Werte begleiten mich bis heute – auch wenn das Leben im Westen und die kulturelle Veränderung mich manchmal aus meinem Gleichgewicht gebracht haben.
Zwischen diesen verschiedenen Welten habe ich gelernt, zu navigieren, mich anzupassen und mich selbst zu formen – von meinen Teenager jahren bis ins junge Erwachsenenalter.
Was junge polynesische Menschen von westlichen unterscheidet, ist der Umgang mit dem eigenen Körper: Haltung, Bewegung und Präsenz.
Wenn ich ehrlich bin, hat die *neo-westliche Kultur durch Kolonialismus, Patriarchat und Kapitalismus vieles zerstört, was in indigenen Kulturen ursprünglich war. Dieses Ursprüngliche wurde verdrängt – zugunsten eines *neo-westlich geprägten Weltbildes.
Doch tief in den Genen dieser Menschen bleibt der „Mana“ (Kraft, Power, Schutz) erhalten – weil wir Menschen durch Berührung lernen. Durch Berührung erfahren wir, wo wir interagieren möchten, wo unsere Grenzen liegen. Sie ist unsere erste Sprache, sie sozialisiert uns. Berührung ist die Grundlage für soziale Existenz. Sie schenkt uns Geborgenheit, Zärtlichkeit und die Wahrnehmung unseres eigenen Körpers – sie sagt: „Du bist lebendig. Dies ist dein Körper.“
Babys nehmen ihre Umwelt durch ihre Sinne wahr – die „Vibes“, wie ich sie nenne.
Durch Berührung können wir diese Vibes transformieren – auf einer nonverbalen Ebene. Wir können die Bindung zu unserem Baby, Kind oder Teenager immer wieder neu herstellen. Das ist der Schlüssel für ein gesundes Miteinander – nicht auf Perfektion basierend, sondern im Flow mit unseren Gefühlen.
Durch regelmäßige berührende Rituale lernt unser Kind Selbstdisziplin und Selbstregulation – die Grundlagen für eigenständiges Lernen. Doch vieles davon haben wir verlernt: Wir lernen oft, was uns vorgegeben wird, und nicht mehr das, was uns begeistert. Das beginnt schon in jungen Jahren.
Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass soziales Berühren genetisch weitergegeben werden kann. Man darf also annehmen, dass ein Kind, das in jungen Jahren liebevolle Berührungen erfahren hat, dieses Verhalten später an seine eigenen Kinder weitergeben wird.
Das ist das Wunder: Durch einfache Berührung können wir generationenübergreifende Verletzungen und Traumata sanft begleiten – und auf zellulärer Ebene neue Informationen speichern.
Tiffany Field, führende Expertin auf dem Gebiet der Berührungstherapie, leitet das „Touch Research Institute“ an der medizinischen Fakultät der Universität Miami in Florida. Ihre Forschungsergebnisse zeigen: Liebevolle Berührungen sind eine Grundvoraussetzung für eine positive geistige und körperliche Entwicklung beim Kleinkind.
Diese emotionalen Bindungen auf körperlicher Ebene in der Kindheit sind ein Fundament fürs ganze Leben – gefüllt mit Vertrauen, Mut, Glauben, Verlässlichkeit und Liebe.
Durch den Kontakt über die Haut können wir das Empfinden unseres Babys wahrnehmen. Diese „Kommunikation des Empfindens“ zeigt uns, wie es sich fühlt, was ihm guttut – und was nicht.
Aus tiefstem Herzen möchte ich daher jede Mutter und jeden Vater ermutigen, Babymassage von Anfang an in den Alltag zu integrieren – selbst wenn es nur ein paar Minuten pro Woche sind. So können wir die Vibes wiederherstellen, weil auch Bindung gelernt werden möchte – mit Zärtlichkeit, Achtsamkeit und Liebe.
*Neo-westlich
Steht für den modernen, beschleunigten Westen: Konsum, Leistung, Optimierung, Rationalität, Funktionalität. Betonung auf Individualismus, Produktivität, Effizienz, Kopf statt Körper, Trennung von Mensch und Natur.